Birkungen/Eichsfeld
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Die Gründung 1920

Der 1. Weltkrieg war zu Ende und die Wunden waren 1919 noch frisch, um schon durch einen humoristischen Umzug zur Kirmes dieselben zu vergessen. Eher wurden sie dadurch neu aufgerissen. Denn so manches junge Blut war auf dem Schlachtfeld geflossen. Manche Mutter beweinte ihren Sohn und manche Braut ihren Geliebten. Es musste erst eine bestimmte Zeit vergehen, um sich zu sammeln und wieder an normale Verhältnisse zu gewöhnen.

 

Das Kartensystem ging 1920 schon etwas zurück, und die Hamsterei war nicht mehr so schlimm. Es gab hier und da durch gute Bekanntschaft schon mal etwas, wenn es auch noch nicht erlaubt war, zu kaufen. Mir kam der Gedanke, eine alte Tradition wieder ins Leben zu rufen und einen Kirmesumzug mit Hammelschlachten vorzuführen. Ich fand auch sofort begeisterte Anhänger wie Franz Voigt, Alfons Rogge, Ernst Apel, Albert Rhode, Alois Rogge, der leider im 2. Weltkrieg gefallen ist, und viele mehr, die sofort mitmachen wollten. Jeder in seinem Beruf tat das Beste zum guten Gelingen. Schilder brauchten wir nicht, denn es ging im Dorf von Mund zu Mund: „Die Burschen machen einen Kirmesumzug.“ Und somit ging es nun los. Reiter sowie die Gespanne zu den Wagen stellten die Bauernburschen.

Jeder wollte die besten Pferde zeigen in ihren Geschirren oder ihrem Sattelzeug. Die Kutschen waren wie aus dem Ei gepellt, also appellfähig. Mit solch einem Anfang konnte man sich schon einmal sehen lassen. Die finanzielle Seite war sehr einfach, weil wir ja mit Musik und Steuern nichts zu tun hatten. Unsere Leistung war nur ein Hammelkauf, und das waren etwa 30 – 35 Mark, den wir von Schäfer Grüneberg bekamen. Drei bis vier Tage vor Kirmes wurde der Hammel vom Schenkwirt, damals Karl Kellner, geschlachtet und am 2. Kirmestag dann unter dem Zelt abends verzehrt. An Schnaps und Bier fehlte es auch nicht. Wir nahmen dann durch Vorbestellung 50 Liter Bier für uns, und somit war für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

 

Der Umzug vollzog sich dann von der Schenke aus zu den besten Gebern und Spendern. Dafür hatte ich eine gute Nase und wusste auch ein Herz weich zu machen, wo der Griff in den Geldbeutel eine ziemliche Überwindung war, aber man doch später keine Blamage hören wollte. Und so bekamen wir mit Mut und Humor eine ganz gut gefüllte Kasse, die die Kosten für den Wert des Hammels überstieg. Schnaps und Bier wurden auch davon bezahlt, und die gespendeten Zigarren und Zigaretten waren noch extra Zugabe. Am darauffolgenden Sonnabend wurde dann der Rest in der Schenke verzehrt, mit Gehacktesbrötchen und der dazugehörenden Feuchtigkeit.


(Auszug aus den Erinnerungen des Kirmesburschen Leo Kruse. Entnommen aus der ersten Chronik des Kirmesvereins von 1949.)

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